Textilsiegel im Überblick: GOTS, Öko-Tex, Fair Wear und Grüner Knopf erklärt
GOTS, Öko-Tex, Fair Wear, Grüner Knopf, Fairtrade: Auf Textilien kleben mehr Siegel als auf jedem anderen Alltagsprodukt. Das Problem dabei ist nicht, dass es zu wenige Informationen gibt, sondern dass die Siegel völlig verschiedene Dinge prüfen und trotzdem alle nach „nachhaltig“ klingen. Wer Teamwear oder Vereinskleidung bestellt, steht dann vor Begriffen wie „zertifiziert“ oder „schadstoffgeprüft“ und kann kaum einschätzen, was davon wirklich etwas aussagt. Dieser Überblick erklärt die fünf wichtigsten Textilsiegel, zeigt, was jedes davon prüft und was nicht, und gibt dir eine einfache Faustregel für die nächste Bestellung an die Hand.
Warum ein Siegel allein wenig aussagt
Ein T-Shirt durchläuft vier Stationen, bevor es bei dir ankommt: den Anbau der Faser, die Stoffherstellung mit Färbung und Ausrüstung, das Nähen und schließlich die Veredelung mit deinem Logo. Jedes Textilsiegel deckt nur einen Teil dieser Kette ab. Manche prüfen den Bio-Anbau der Baumwolle, andere die Arbeitsbedingungen in der Näherei, wieder andere nur, ob im fertigen Stoff Schadstoffe stecken. Genau deshalb führt die Frage „Ist dieses Shirt nachhaltig?“ ins Leere, solange nicht klar ist, welche Stufe der Kette ein Siegel überhaupt betrachtet.
Die gute Nachricht: Mit einem Grundverständnis der fünf großen Siegel lässt sich jedes Textilangebot in wenigen Minuten einordnen. Und du erkennst den häufigsten Trick im Werbetextil-Markt, dazu gleich mehr.
GOTS-zertifiziert: das umfassendste Siegel für das Produkt
Der Global Organic Textile Standard, kurz GOTS, ist das strengste weit verbreitete Siegel, wenn es um das Textil selbst geht. GOTS-zertifiziert bedeutet: Die Naturfasern stammen aus kontrolliert biologischem Anbau, und zwar in zwei Stufen. Trägt ein Produkt das Label „organic“, müssen mindestens 95 Prozent der Fasern Bio-Qualität haben. Beim Label „made with organic materials“ sind es mindestens 70 Prozent.
Das Besondere an GOTS ist aber nicht die Faser, sondern die Reichweite: Der Standard prüft die komplette Verarbeitungskette von der Faser bis zum fertigen Kleidungsstück. Eine Feinheit, die kaum jemand kennt und die im Gespräch mit Einkäufern Eindruck macht: GOTS zertifiziert den Anbau nicht selbst. Auf der eigenen Seite steht dazu wörtlich „GOTS starts where organic farming activities ends“. Der Standard setzt nach der Ernte an. Dass die Fasern wirklich bio sind, muss vorher eine separate Anbau-Zertifizierung belegen, in Europa die EU-Öko-Verordnung, in den USA das NOP. GOTS prüft dann, dass genau diese zertifizierten Fasern verwendet werden, und begleitet sie durch alle weiteren Schritte. Dazu gehören Umweltkriterien wie Verbote für viele bedenkliche Chemikalien und Anforderungen an die Abwasserbehandlung, aber auch soziale Mindestanforderungen in den Betrieben auf Basis der Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Die Betriebe werden regelmäßig vor Ort auditiert. Wenn du nur ein einziges Siegel als Orientierung nutzen willst, ist GOTS die beste Wahl.
Öko-Tex Standard 100: Schadstoffprüfung, kein Nachhaltigkeitssiegel
Der Öko-Tex Standard 100 (heute offiziell „OEKO-TEX Standard 100“) ist das mit Abstand bekannteste Textillabel und wird gleichzeitig am häufigsten missverstanden. Es prüft genau eine Sache: ob das fertige Produkt Schadstoffe über festgelegten Grenzwerten enthält. Getestet wird dabei jedes Bestandteil, also auch Garne, Knöpfe, Reißverschlüsse und Drucke. Die Anforderungen sind in vier Produktklassen gestaffelt, am strengsten ist Klasse 1 für Babyartikel.
Was der Öko-Tex Standard 100 nicht prüft: Woher die Baumwolle kommt, wie sie angebaut wurde, unter welchen Bedingungen genäht wurde und wie umweltfreundlich die Produktion war. Ein konventionell in Massenproduktion gefertigtes Shirt kann problemlos Öko-Tex-zertifiziert sein. Das Siegel sagt „dieses Produkt ist für dich als Träger unbedenklich“, nicht „dieses Produkt ist nachhaltig“. Beides ist wertvoll, aber es ist nicht dasselbe.
Hier liegt auch der angekündigte Trick: Im Werbeartikel-Markt werden günstige Textilien gern allein mit dem Öko-Tex-Logo beworben, weil das Wörtchen „Öko“ im Namen nach Nachhaltigkeit klingt. Wenn ein Anbieter ausschließlich mit Öko-Tex wirbt und kein weiteres Siegel nennen kann, weißt du: Hier wurde auf Schadstoffe geprüft, mehr nicht. Das ist der schnellste Greenwashing-Check, den es gibt.
Fair Wear Foundation: der Blick in die Näherei
Die Fair Wear Foundation ist streng genommen gar kein Produktsiegel, sondern eine unabhängige Organisation, der sich Modemarken als Mitglied anschließen. Der Fokus liegt auf der Stufe, die bei den meisten anderen Siegeln am schwächsten abgedeckt ist: der Konfektion, also dem Nähen. Fair Wear auditiert die Produktionsstätten der Mitgliedsmarken, prüft Löhne, Arbeitszeiten und Sicherheit und betreibt Beschwerdemöglichkeiten für die Beschäftigten vor Ort. Die Marken selbst werden jährlich in einem öffentlichen Bericht bewertet.
Für dich heißt das: „Mitglied der Fair Wear Foundation“ ist eine Aussage über die Marke und ihre Lieferkette, nicht über ein einzelnes Kleidungsstück. In Kombination mit GOTS ergibt sich aber ein rundes Bild: GOTS deckt Material und Umwelt ab, Fair Wear vertieft die Arbeitsbedingungen beim Nähen.
Grüner Knopf: das staatliche Doppelsiegel
Der Grüne Knopf ist das erste staatliche Textilsiegel Deutschlands, eingeführt 2019 vom Bundesentwicklungsministerium. Sein Ansatz unterscheidet sich von allen anderen: Geprüft wird doppelt. Zum einen muss das Unternehmen als Ganzes nachweisen, dass es seine menschenrechtlichen und ökologischen Sorgfaltspflichten in der Lieferkette ernst nimmt. Zum anderen muss das Produkt soziale und ökologische Kriterien erfüllen, was in der Praxis über bereits anerkannte Siegel wie GOTS oder Fairtrade nachgewiesen wird. Seit Juli 2022 gilt die überarbeitete Fassung Grüner Knopf 2.0, die vor allem bei den Unternehmenskriterien nachgeschärft hat. Für alle zertifizierten Unternehmen ist sie seit Ende Juli 2024 verbindlich. Wenn dir jemand ein Zertifikat zeigt, lohnt der Blick auf die Version.
Stand 31. Juli 2026: Die im Standard 2.0.1 vorgesehenen Anforderungen an den Faser- und Materialeinsatz treten nicht in Kraft. Der Grüne Knopf hat die Übergangsfrist aufgehoben, sie bleiben freiwillig. Begründet wird das mit offenen Fragen rund um die EU-Ökodesign-Verordnung. Für dich heißt das: Der Grüne Knopf sagt weiterhin nichts darüber, ob die Faser bio oder recycelt ist. Geprüft werden Zuschnitt, Näherei, Bleiche und Färbung, dazu die Sorgfaltspflichten des Unternehmens. Wer Bio-Fasern will, braucht dafür weiter GOTS oder IVN Best. (Quelle: Pressemitteilung Grüner Knopf)
Der Grüne Knopf ist damit eine Art Metasiegel: Er bündelt bestehende Standards und ergänzt die Unternehmensprüfung. Findest du ihn auf einem Produkt, steckt dahinter immer auch mindestens ein anerkanntes Produktsiegel.
Fairtrade-Siegel: fairer Preis am Anfang der Kette
Das Fairtrade-Siegel setzt dort an, wo die Textilkette beginnt: beim Rohstoff. Fairtrade Cotton garantiert den Baumwollbauern einen Mindestpreis und eine zusätzliche Prämie für Gemeinschaftsprojekte, dazu kommen Anforderungen an den Anbau. Das Siegel trifft damit vor allem eine wirtschaftliche und soziale Aussage über die erste Stufe der Kette.
Über Färbung, Näherei oder Schadstoffe im Endprodukt sagt Fairtrade Cotton dagegen wenig aus. Es ist ein starkes Signal für die Herkunft der Baumwolle und entfaltet seinen vollen Wert, wie die meisten Siegel, in Kombination mit anderen Standards.
IVN Best: das strengste Siegel, das du am seltensten findest
Wenn GOTS der umfassendste verbreitete Standard ist, dann ist IVN Best die Stufe darüber. Der Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft beschreibt seinen eigenen Standard als „GOTS + 10“, also die GOTS-Kriterien plus zehn zusätzliche Anforderungen. Eine GOTS-Zertifizierung ist sogar die Voraussetzung dafür, dass ein Betrieb überhaupt für IVN Best in Frage kommt.
Der auffälligste Unterschied liegt beim Material. GOTS verlangt je nach Label-Stufe 70 oder 95 Prozent Bio-Fasern, IVN Best verlangt 100 Prozent im Hauptmaterial. Elasthan ist damit nicht erlaubt, was einen ganzen Teil des Marktes ausschließt (Stretch-Shirts und die meisten figurnahen Schnitte fallen weg). Auch bei der Chemie ist der Standard härter: chlorhaltige Chemikalien sind ohne Ausnahme verboten, dazu Schwermetall-Farbstoffe, optische Aufheller, Flammschutzmittel und Silikone. Geprüft werden Anbau, Spinnerei, Färberei und Konfektion, jährlich und mit der Möglichkeit unangekündigter Kontrollen. Die Sozialkriterien beruhen wie bei GOTS auf den Kernarbeitsnormen der ILO.
Der Haken ist die Verfügbarkeit. Weil die Zertifizierung so aufwendig ist, gibt es vergleichsweise wenig Ware mit diesem Siegel, und im Bereich Teamwear und Werbetextilien ist sie die Ausnahme. Für dich heißt das: IVN Best ist ein gutes Argument, wenn du es findest, aber ein schlechtes Ausschlusskriterium. Wer nur nach IVN Best sucht, hat am Ende oft gar keine Auswahl mehr. GOTS deckt in der Praxis fast dieselben Fragen ab und ist bei Teamwear tatsächlich zu bekommen.
Öko-Tex Made in Green: Rückverfolgbarkeit statt Bio-Anbau
Made in Green ist das Siegel aus der Öko-Tex-Familie, das über die reine Schadstoffprüfung hinausgeht, und es begegnet dir bei Berufs- und Firmenkleidung deutlich häufiger als IVN Best. Es kombiniert zwei Dinge: eine Schadstoffprüfung des Produkts (Standard 100, Organic Cotton oder Leather Standard) und eine Prüfung der Produktionsstätten nach dem Öko-Tex-Standard STeP. STeP schaut auf Chemikalienmanagement, Umweltleistung, Arbeitssicherheit, Arbeitszeiten und Löhne sowie das Verbot von Zwangs- und Kinderarbeit.
Die Besonderheit ist die Produkt-ID auf dem Etikett. Damit lässt sich nachvollziehen, in welchen Betrieben das Textil entstanden ist. Für Fertigprodukte müssen die Konfektionsstätte und mindestens drei weitere Komponenten hinterlegt sein, und alle Bestandteile ab fünf Prozent Gewichtsanteil müssen aus STeP-zertifizierten Betrieben stammen, soweit dort nass- oder chemisch verarbeitet wird.
Was Made in Green nicht verlangt: Bio-Fasern. Ein Shirt aus konventioneller Baumwolle oder aus Polyester kann das Label tragen, solange Schadstoffwerte und Produktionsbedingungen stimmen. Wer also Wert auf Bio-Fasern und saubere Verarbeitung legt, kommt an GOTS nicht vorbei. Wer wissen will, unter welchen Bedingungen produziert wurde und wo, bekommt bei Made in Green mehr Transparenz als bei jedem anderen Siegel in dieser Liste.
Die sieben Siegel im direkten Vergleich
| Siegel | Prüft vor allem | Stufe der Kette | Sagt nichts aus über |
|---|---|---|---|
| GOTS | Bio-Fasern, Umwelt- und Sozialkriterien der gesamten Verarbeitung | Faser bis Konfektion (Anbau separat zertifiziert) | Veredelung nach dem Kauf (z. B. Druck) |
| Öko-Tex Standard 100 | Schadstoff-Grenzwerte im Endprodukt | Nur Endprodukt | Anbau, Arbeitsbedingungen, Umwelt |
| Fair Wear Foundation | Arbeitsbedingungen in den Nähereien der Mitgliedsmarke | Konfektion | Material, Schadstoffe |
| Grüner Knopf | Unternehmens-Sorgfaltspflichten plus anerkannte Produktsiegel | Zuschnitt, Näherei, Bleiche, Färbung | Faser- und Materialeinsatz (seit 31.07.2026 freiwillig), geht nicht über die anerkannten Siegel hinaus |
| IVN Best | Wie GOTS, aber strenger: 100 Prozent Bio-Fasern, härtere Chemie-Verbote | Faser bis Konfektion (Anbau separat zertifiziert) | Nichts Wesentliches, ist aber kaum verfügbar |
| Öko-Tex Made in Green | Schadstoffe plus geprüfte Produktionsstätten, Rückverfolgung per Produkt-ID | Produktionsbetriebe und Endprodukt | Bio-Anbau der Fasern |
| Fairtrade Cotton | Mindestpreis und Prämie für Baumwollbauern | Rohstoff-Anbau | Färbung, Näherei, Endprodukt |
Worauf du bei Teamwear konkret achten solltest
Für Firmen- und Vereinskleidung hat sich eine einfache Faustregel bewährt: Suche nach der Kombination aus einem umfassenden Produktsiegel und einem Sozialstandard. In der Praxis heißt das meist GOTS plus Fair Wear Foundation. Genau aus diesem Grund arbeiten wir bei Shirt Waiter vor allem mit Stanley/Stella: Die meisten Modelle bestehen aus GOTS-zertifizierter Bio-Baumwolle, und die Marke ist Mitglied der Fair Wear Foundation.
Ein Punkt wird dabei fast immer übersehen: Die Siegel gelten für das Rohtextil, nicht für das, was danach passiert. Sobald ein Logo aufgedruckt oder aufgestickt wird, kommen Farben und Materialien ins Spiel, die vom ursprünglichen Zertifikat nicht erfasst sind. Frag deshalb bei der Veredelung nach, welche Farben eingesetzt werden, für Druckfarben gibt es eigene Zertifizierungen wie den OEKO-TEX Eco Passport. Welche Drucktechnik wofür geeignet ist, erklären wir ausführlich im Vergleich der Druckverfahren.
Und zuletzt der Realitäts-Check für Budget-Diskussionen: Zertifizierte Bio-Teamwear kostet pro Shirt etwas mehr als konventionelle Massenware. Dafür bekommt dein Team Kleidung, die es guten Gewissens und erfahrungsgemäß auch deutlich länger trägt. Ein Teamshirt, das nach drei Wäschen ausleiert, ist am Ende die teurere Variante, egal wie günstig der Stückpreis war.
Was die Siegel nicht leisten
Bis hierher ging es darum, was die Siegel prüfen. Genauso wichtig ist, was sie offenlassen. Wer mit einem Siegel wirbt, sollte das kennen, sonst wird aus einem guten Argument schnell eine Angriffsfläche.
Ein Existenzlohn ist fast nirgends garantiert
Das ist der wichtigste Punkt, und er überrascht die meisten. Ein Mindestlohn ist nicht dasselbe wie ein Lohn, von dem eine Familie leben kann. Die Siegel verlangen fast durchweg den gesetzlichen Mindestlohn des jeweiligen Landes, und der liegt in vielen Produktionsländern deutlich unter dem, was zum Leben reicht.
Fairtrade sagt das selbst offen. Auf der eigenen Seite zu Existenzlöhnen heißt es zu Blumen, die Einführung eines Mindestlohns habe die Löhne verbessert, „though there is still more work to be done to achieve living wages“. Übersetzt: Es ist noch nicht erreicht. Berechnet werden Existenzlöhne nach der Anker-Methodik, die regionale Lebenshaltungskosten für Essen, Wohnen, Bildung, Gesundheit, Transport, Kleidung und Rücklagen zusammenrechnet. Der Stand dazu ist bei Fairtrade nachzulesen.
Für dich heißt das: Schreib nicht „fair bezahlt“ auf eure Teamwear-Seite, wenn ihr das nicht wirklich belegen könnt. „Nach Fair-Wear-Standard produziert“ ist die Formulierung, die hält.
Kein Siegel deckt die ganze Kette ab
Jedes Siegel hat einen Ausschnitt, und der ist selten der, den man vermutet. Öko-Tex Made in Green prüft Verarbeitung, Chemikalien und Rückverfolgbarkeit, aber weder den Baumwollanbau noch die Rohstoffgewinnung, und Bio-Fasern verlangt es nicht. Der Grüne Knopf 2.0 nennt als Produktionsstufen ausdrücklich „cutting and sewing as well as bleaching and dyeing“, also Zuschnitt, Näherei, Bleiche und Färberei. Der Anbau steht dort nicht.
GOTS ist hier am breitesten, weil es von der Faser bis zum fertigen Produkt reicht. Aber auch GOTS hat eine Grenze nach unten: Der Anbau selbst läuft über eine separate Bio-Zertifizierung, nicht über GOTS. Dafür ist es beim Sozialen weniger streng als ein reines Sozialsiegel. (Genau deshalb steht auf vielen guten Shirts mehr als ein Siegel.)
Zertifiziert wird der Betrieb, nicht die Lieferung
Ein Siegel im Etikett sagt, dass ein Betrieb zertifiziert ist. Es sagt nicht automatisch, dass genau deine Charge durch diesen Betrieb gelaufen ist. Bei GOTS gibt es dafür Transaktionszertifikate, die einzelne Lieferungen belegen. Die kannst du dir zeigen lassen, und ein seriöser Lieferant hat damit kein Problem.
Frag im Zweifel nach der Lizenznummer des Zertifikats und prüf sie in der öffentlichen Datenbank des Siegelgebers. Das dauert zwei Minuten.
Zertifizierung kostet Geld, und das schließt kleine Hersteller aus
Audits, Lizenzgebühren und Dokumentation kosten laufend. Große Anbieter tragen das leichter als kleine Manufakturen. Es gibt deshalb Betriebe, die sauber arbeiten und trotzdem kein Siegel führen, weil sich der Aufwand für ihre Stückzahlen nicht rechnet. Ein fehlendes Siegel ist also kein Beweis für schlechte Bedingungen, es ist erstmal nur ein fehlendes Siegel.
Warum das ab 2027 auch rechtlich zählt
Siegel waren lange eine freiwillige Sache. Das ändert sich gerade, und zwar aus drei Richtungen gleichzeitig.
Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz verpflichtet größere Unternehmen, Risiken in ihren Lieferketten zu kennen und zu bearbeiten. Teamwear ist Teil der Lieferkette, auch wenn sie niemand verkauft. Wer betroffen ist, braucht Nachweise, und Zertifikate sind der einfachste Weg dorthin.
Die CSRD, die EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung, zieht denselben Kreis noch weiter. Wer berichten muss, braucht Zahlen und Belege statt Absichtserklärungen.
Und seit dem 27.09.2026 gilt in Deutschland das geänderte UWG, die Umsetzung der EU-Richtlinie 2024/825. Es zielt genau auf das andere Ende: darauf, womit man werben darf. Allgemeine Umweltaussagen wie „umweltfreundlich“ ohne konkrete Erklärung sind gegenüber Verbrauchern verboten, Werbung mit „klimaneutral“ über Kompensation ebenfalls. Für Teamwear heißt das ganz praktisch: Was ihr auf die Produktseite schreibt, sollte belegbar sein, und ein konkretes Siegel mit Zertifikatsnummer ist belegbar. „Nachhaltige Teamwear“ allein ist es nicht.
Die geplante Green-Claims-Richtlinie, nach der Umweltaussagen vorab geprüft werden sollten, liegt dagegen auf Eis. Die Richtung ist aber eindeutig: Von der freiwilligen Auszeichnung zur belegpflichtigen Aussage.
Wo du selbst nachschauen kannst
Alles oben lässt sich nachprüfen, und das solltest du auch tun, bevor du dich auf eine Aussage festlegst. Die Primärquellen:
- Global Organic Textile Standard (GOTS), der Standardtext mit den Faseranteilen, Sozialkriterien und dem Geltungsbereich ab der Ernte
- Öko-Tex Standard 100 und Öko-Tex Made in Green
- Fair Wear Foundation, mit den öffentlichen Brand Performance Checks der Mitglieder
- Grüner Knopf, Kriterienübersicht und geprüfte Unternehmen
- Fairtrade Deutschland, dazu der Stand zu Existenzlöhnen
- IVN, Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft für IVN Best
- Siegelklarheit, das staatliche Vergleichsportal der Bundesregierung. Die Textilsiegel liegen dort im Siegelverzeichnis als eigene Produktgruppe
Häufige Fragen zu Textilsiegeln
Was ist der Unterschied zwischen GOTS und Öko-Tex?
GOTS prüft die gesamte Herstellungskette ab der Faser, mit Umweltkriterien und Arbeitsbedingungen. Den Bio-Anbau selbst zertifiziert GOTS nicht, der wird vorher separat nach EU-Öko-Verordnung oder NOP geprüft. Der Öko-Tex Standard 100 prüft ausschließlich, ob das fertige Produkt Schadstoffe über bestimmten Grenzwerten enthält. GOTS ist ein Nachhaltigkeitssiegel, Öko-Tex eine Schadstoffprüfung.
Was bedeutet GOTS-zertifiziert genau?
Ein GOTS-zertifiziertes Textil besteht je nach Label-Stufe zu mindestens 70 Prozent („made with organic materials“) oder mindestens 95 Prozent („organic“) aus biologisch erzeugten Naturfasern. Zusätzlich wurden alle Verarbeitungsschritte nach Umwelt- und Sozialkriterien auditiert.
Ist der Öko-Tex Standard 100 ein Bio-Siegel?
Nein. Der Öko-Tex Standard 100 sagt nichts über den Anbau der Fasern aus. Auch konventionelle Baumwolle oder Synthetikfasern können das Label tragen, solange das Endprodukt die Schadstoff-Grenzwerte einhält.
Was ist der Unterschied zwischen GOTS und IVN Best?
IVN Best baut auf GOTS auf und verschärft es. GOTS verlangt 70 oder 95 Prozent Bio-Fasern, IVN Best verlangt 100 Prozent im Hauptmaterial und lässt kein Elasthan zu. Dazu kommen strengere Chemikalien-Verbote, etwa das ausnahmslose Verbot chlorhaltiger Chemikalien. Eine GOTS-Zertifizierung ist Voraussetzung für IVN Best.
Ist Öko-Tex Made in Green dasselbe wie der Öko-Tex Standard 100?
Nein. Der Standard 100 prüft nur das fertige Produkt auf Schadstoffe. Made in Green setzt darauf auf und prüft zusätzlich die Produktionsbetriebe nach dem Standard STeP, also Umweltleistung, Chemikalienmanagement und Arbeitsbedingungen. Über eine Produkt-ID auf dem Etikett lässt sich außerdem nachvollziehen, wo das Textil hergestellt wurde. Bio-Fasern verlangt Made in Green allerdings nicht.
Welches Textilsiegel ist das strengste?
Auf dem Papier ist IVN Best das strengste Siegel: 100 Prozent Bio-Fasern, härtere Chemie-Verbote als GOTS und dieselbe Prüftiefe ab der Faser. In der Praxis ist es aber so selten, dass es als alleiniges Suchkriterium kaum taugt. Unter den verbreiteten Siegeln deckt GOTS am meisten ab, weil es Material, Umwelt und Soziales über die ganze Kette prüft. Bei den Arbeitsbedingungen in der Näherei geht die Fair Wear Foundation am tiefsten. Die stärkste Aussage entsteht aus der Kombination mehrerer Siegel.
Lust, zertifizierte Qualität selbst zu prüfen?
Papier ist geduldig, Stoff nicht. Wenn du wissen willst, wie sich Teamwear aus GOTS-zertifizierter Bio-Baumwolle anfühlt, schreib uns kurz: Wir schicken dir vorab ein kostenloses Mustershirt, ganz ohne Verpflichtung. So entscheidet dein Team mit dem Shirt in der Hand statt mit dem Datenblatt.
